Live aus dem Hima­laya (1): Nepal Diaries Kath­mandu

Der buddhistische Stupa in Bodnath gehört zu den Kulturschätzen des UNESCO Weltkulturerbes im Tal von Kathmandu ©Trail Angels

„Vor zwanzig Jahren hatte der Großraum Kathmandu 300.000 Einwohner, jetzt sind es drei Millionen. Und während der Wintermonate sind es unglaubliche acht Millionen. Weil viele Landbewohner aus den bergigen Regionen den Winter in Kathmandu verbringen.“ Erzählt Tapas Neupane, der Landesdirektor von ENNOVENT, unserem Partner beim Projekt „Fair Trails Himalayas“. In einer solch schnell wachsenden Stadt in der dritten Welt ist das Chaos vorprogrammiert. Der schier endlose Verkehrsstau, die ebenso abenteuerliche wie nahezu unfallfreie Fahrweise der Nepalis, die mehr als wagemutige Baukunst und Stromleitungen, bei denen es verwundert, dass überhaupt irgendwo ein Licht brennt. Gestresste Westler, mit dünnem Nervenkostüm und fehlender Einsicht, dieses bunte Chaos zu akzeptieren, sollten einen großen Bogen um die Stadt machen. Wer eine saubere, ordentliche Großstadt erleben will, soll sich Singapur anschauen.
Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau
Trail Angel Günter Mussnig mit Saurabh Battarai, unserem Projektmanager für Fair Trails Himalayas vor dem Stupa in Bodnath
Auf das Abenteuer einlassen
Wer mit offenem Herzen und Gelassenheit nach Kathmandu kommt, wird von diesem Schmelztiegel fasziniert sein. Denn kaum in einer anderen Stadt der Welt begegnen sich Tradition und Moderne so konfliktfrei wie in Kathmandu. Hier die zahllosen Tempel (ein altes Zitat behauptet, es gäbe in Kathmandu mehr Tempel als Menschen), die Lastenträger und Rikshas und die bunten quirligen Märkte; und da die jungen westlich gekleideten Nepalis mit ihren Smartphones, die Touristenshops und hippen Restaurants und Bars. Kathmandu ist wahrlich einzigartig und wer seinem Zauber nicht erliegt, sollte ernsthaft an seiner Weltoffenheit und Toleranz arbeiten.
Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau
Was für eine gute Idee: Pflegestation für herrenlose Strassenhunde in Bodnath
„Die Dinge ändern sich und es wird besser“ erzählt Tapas, denn seit mehreren Jahren lenkt eine stabile Regierung das Land“ erzählt Tapas von den Verbesserungen der letzten Jahre. Vom (angeblichen 😂) Hupverbot bis zu den Investitionen in das Abwassersystem und die Stromversorgung (die dauernden Stromausfälle gehören wirklich der Vergangenheit an). Bis aber die geplante U-Bahn gebaut wird, werden wohl noch viele Jahre vergehen….
Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau
Chilli, Gurken und Tomaten so weit das Auge reicht: der Kalimati Gemüsemarkt
Panoramaweg Südalpen Panorama am Hochplateau

Stromleitungen in Thamel

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Ich akzeptiere das Chaos. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das Chaos mich akzeptiert..

Bob Dylan

Heute war ich mit Saurabh Bhattarai, unserem neuen Projektmanager (wir werden ihn an dieser Stelle noch genauer vorstellen) in Kathmandu unterwegs. Unser erstes Ziel war Bodnath, der grösste Stupa der Welt. Bodnath ist das tibetische Viertel von Kathmandu. Der Ort strahlt eine nahezu magische buddhistische Gelassenheit aus und wir nahmen uns genügend Zeit die Pilger und Betenden zu beobachten, die sich schon auf das morgige nepalesische Neujahrsfest Chaite Dakhain vorbereiteten. Dazu wurde der Stupa auch gerade in strahlendem Weiß getüncht. 

Der nächste Tag empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein. Es wird in jedem Fall ein besonderer Tag, denn innerhalb weniger Stunden geht es mit dem Auto vom immergrünen Monsunwald durch alle möglichen Landschaftsstufen hinauf bis ins schon tibetisch geprägte Hochland. An die Strasse, sie bleibt spektakulär, hat man sich inzwischen gewöhnt, wobei mich die rasche Abfolge der Eindrücke – man ist mit dem Auto halt viel schneller als beim Trekking unterwegs – schier überfordert. Bei Timang tauchen wir in einen zauberhaften Rhododendronwald ein, der in voller Blüte steht. Die vielen Rot- und Rosatöne seiner Blüten stehen in einem reizvollen Kontrast zum strahlenden Weiss der Gletscherriesen. Wenige Kilometer später wechselt die Landschaft wieder: Ab Koto lösen dichte Nadelwälder den Rhododendron ab und man fühlt sich an die Rocky Mountains erinnert, würde das enge Tal nicht von Eisgiganten überragt werden. Und bei Pisang, wir sind jetzt schon über 3.000m hoch, weitet sich das Tal plötzlich zu einem breiten U-Tal und gibt so den Blick auf die ganze Pracht des Annapurna Himal frei. Mehrfach quert der Jeep-Track riesige Lawinenkegel, den Zeugen der massiven Schneefälle im vergangenen März.

Autor

Günter Mussnig

Der Diplomgeograph ist einer der Gründer und Geschäftsführer der Trail Angels, die für die Webplattform Bookyourtrail.com verantwortlich zeichnen. Als Trekking- & Outdoorfreak gehört er zu den Vätern des Alpe-Adria-Trails und erkundet seit mehr als 25 Jahren den nepalesischen Himalaya.

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